Startups sollten auf Open-Source-Entwickler und -Technologien setzen, da es hier günstiger und einfacher ist erfahrenes, kampferprobtes Personal zu finden.
Ich hatte neulich nach einem Seminar eine interessante Unterredung mit einem anderen Doktoranden, der eine Idee für ein Cloud-Computing-Business hat. Nachdem er mir kurz seine Geschäftsidee erläuterte, ergab sich bald eine hitzige Diskussion zwischen ihm (Microsoft-Envagelist) und mir (Open-Source-Advokat).
Seine Argumente, in seiner soon-to-be Unternehmung ausschließlich (Desktops, Programmiersprachen, IDEs, Development- und Production-Application- und Web-Servers, …) auf Produkte der Marke Microsoft zu setzen:
- Microsoft kennt jeder
- Microsoft ist “der” Industriestandard
- Windows kann jeder bedienen
- Seine designierten Kunden haben ihre Daten in MS Excel/Access vorliegen
- Alle im Unternehmen eingesetzten Technologien müssten vorzugsweise vom gleichen “Anbieter” kommen
Auf den ersten Blick mögen einige der Argumente einleuchten, insbesondere, wenn man kein praktisch fundiertes Verständnis der Zusammenhänge zwischen informationstechnischen sowie betriebswirtschaftlichen Anforderungen und Strukturen hat (in der Regel der Fall bei Absolventen integrierter Studiengänge, wie Wirtschaftsinformatik).
Das sind jedoch die gleichen Leute, die behaupten, die wichtigste Zutat jeder Unternehmung wäre Umsatz (eigentlich müsste es Gewinn heißen, aber irgendwie reden diese “Experten” öfter von Umsatz als Gewinn). Denn ohne Umsatz könnte man auch keine Leute beschäftigen. Das ist jedoch von der falschen Seite gedacht, denn ohne die richtigen Leute verbrennt man seinen Umsatz.
Ein Startup braucht die richtigen Leute. Und für ein Startup gleichzeitig bezahlbare und ausreichend erfahrene Programmierer in industrietypischen “Enterprise-Umgebungen” wie bspw. Java oder C-Sharp zu finden ist ungleich schwerer als praxiserprobte Open-Source-Entwickler.
Der Grund: Jeder gewillte 18-jährige Abiturient kann durch Open-Source-Projekte bereits ein Veteran in JavaScript, PHP oder Ruby sein, da die Einstiegskosten in diese Technologien gleich null sind und man schnell vorzeigbare Erfolge vorweisen kann.
Sich auf hochgradig expertenlastige, geschlossene Technologien einzulassen bedeutet auch zwangsläufig, dass man ein größeres Problem hat, wenn der Unternehmung ein Programmierer abhanden kommt.

René