Selbstständigkeit heißt tatsächlich, selbstständig arbeiten. Dass das nicht nur positive Aspekte beinhaltet, wie freie Zeiteinteilung, sein eigener Boss zu sein und im Idealfall einen angemessenen Stundensatz, sollte jedoch jedem klar sein, der mit der freien Tätigkeit liebäugelt.
Einige Dinge am Freelancer-Sein sind extrem hart, und werden es wohl immer bleiben.
- Gleichzeitig neue Projekte akquirieren und aktuelle realisieren (der klassische Schweinezyklus)
- Alles rund um dein Business selbst entscheiden, organisieren und umsetzen
- Zeit zur Selbstvermarktung finden, dich mit Kunden abstimmen, Arbeit für Kunden erledigen und neben typischen Verwaltungsarbeiten auch noch das Wachstum deiner Firma betreiben
- Deine Life-Work-Balance in der Waage halten (und mit allem gerade genannten fertig werden)
- Nie krank werden oder Urlaub nehmen
Wenn es jetzt auch zynisch klingt: Das Freelancer-Dasein kann trotz der angeführten Punkte durchaus seinen Reiz haben, wenn man nur einige Regeln beachtet. Im folgenden werde ich einige dieser Regeln vorstellen.
Gleichzeitig neue Projekte akquirieren und aktuelle realisieren
Das ist natürlich für eine Person kaum zu schaffen. Es läuft in der Regel eher so: Ihr startet euer Business, fangt an zu bloggen (oder sonstwie auf euch aufmerksam zu machen) und akquiriert erste Kunden. Jetzt seit ihr mit Arbeit versorgt, die strebsam und gewissenhaft erledigt wird. Doch plötzlich habt ihr keine Zeit mehr für Marketing in eigener Sache (z.B. zu bloggen, in Foren rumzuhängen, etc.). Nachdem die Projekte abgeschlossen sind, habt ihr wieder Zeit für Marketing, aber keine Klienten mehr.
Lösung
Dieser Missstand ist hauptsächlich ein zeitliches Problem, da ihr nicht gleichzeitig Kundenaufträge abarbeiten und euch vermarkten könnt. Es bietet sich an, etwas Zeit von den Kundenprojekten “abzuzweigen” und euch bspw. zu zwingen eine Stunde am Tag auf eurer Marketing zu verwenden.
Alles alleine erledigen
Auch dieser Punkt ist zu Beginn sehr schwer für neue Freelancer. Um ehrlich zu sein, ist es nie einfach, alles in Personalunion zu managen, egal wie erfahren man in einer Branche ist.
Denn da gibt es einfach zu viel Information für eine Person: Steuern, Buchhaltung, Marketing, Klientengespräche, strategische Ausrichtung / Wachstumsperspektiven festlegen. Es sind wohl nur sehr, sehr wenige Menschen in der Lage, all diese Dinge alleine zu bewältigen und dabei noch erfolgreich zu sein.
Also macht es nicht alleine.
Die Lösung dieses Problems ist theoretisch ganz leicht: Macht nicht alles allein. Die Steuern und Teile der Buchhaltung könnt ihr bspw. bereits mit geringem Umsatz an einen Steuerberater abtreten.
Auch die eigentliche Arbeit könnt ihr euch mit anderen Freelancern teilen, in dem ihr Partnerschaften eingeht oder ein persönliches Netzwerk aufbaut, mit Leuten die euch bei größeren Projekten aushelfen. Delegiert Arbeiten an externe Grafiker, Designer, Programmierer etc. Damit ist euer Umsatz nicht mehr durch eure eigene Arbeitszeit limitiert. Je nach dem, wie gut ihr das hinkriegt, könnt ihr nach einiger Zeit ganze Projekte realisieren ohne selbst Hand anzulegen.
Life-Work-Balance
Der härteste Teil ist sicherlich eurer Berufs- und Privatleben in die Waage zu bringen. Denn auch ihr könnt nicht 24/7 nur arbeiten. Lebenspartner, Freunde und Familie werden das nicht gut finden und ihr selbst sicher auch nicht. Niemand kann Tag und Nacht arbeiten ohne mittelfristig auszubrennen und ganz aus dem Spiel auszuscheiden.
Die richtige Balance
Die ist in der Theorie leicht zu bestimmen, aber umso schwieriger umzusetzen:
Das Geheimnis ist, euch selbst Grenzen zu setzen. Arbeitet nur zu bestimmten Zeiten. Nehmt nur in dieser Zeit Kundengespräche entgegen (aber keine privaten). Macht Pausen. Wenn ein Meilenstein erreicht ist, stürzt euch nicht direkt auf den nächsten der noch zwei Wochen in der Zukunft liegt. Und macht Pausen.
Es wird genug Situationen geben, in denen ihr euch gezwungen seht, gegen diese selbstauferlegten Regeln zu verstoßen. Sei es, weil eine Deadline eingehalten werden muss oder in einem Projekt unerwartete Probleme auftreten.
Aber solange alles normal läuft, solltest ihr euch an diese selbstgesetzten Grenzen halten und euch anschließend Zeit für etwas Privates nehmen. Der Stress findet euch von ganz allein wieder, also lauft ihm nicht noch entgegen.
Plant Ausfälle ein
Das schlimmste, was euch passieren kann, ist so krank zu werden, dass ihr nicht mehr arbeiten könnt. In einer 1-Mann-Firma kommt diese Krankmeldung einem Totalausfall gleich, und der tritt schneller ein, als man ihn kommen sieht.
Achtet darauf, dass ihr im Notfall jemanden habt, der E-Mails und das Telefon beantworten kann, während ihr nicht auf dem Damm seit. Das muss keine perfekte Lösung sein, es muss nur im Notfall solange funktionieren, bis es euch besser geht.
Noch besser wäre natürlich das angesprochene Netzwerk an Freelancern, denen ihr im Notfall Tasks delegieren könnt, wenn es wirklich gar nicht mehr anders geht. Das mag auf den ersten Blick nicht die wirtschaftlichste Lösung sein, die Alternative wäre andererseits den Auftrag zu verlieren.
Natürlich helfen diese Maßnahmen auch dabei, irgendwann mal wieder Urlaub zu machen.
Was ist also der Trick hinter all dem?
Ich denke, es hilft sehr, wenn ihr eurer 1-Mann-Unternehmen als genau das seht und steuert: Als ein Unternehmen. Macht nicht einfach euren alten Job weiter, als würdet ihr noch für jemand anders arbeiten, sondern denkt wirtschaftlich: Eure Firma ist vielleicht klein, doch sie ist am Markt den gleichen Bedingungen und Kräften ausgesetzt wie allen anderen Mitspieler auch.
Etabliert interne Systeme und Prozesse, die euch Zeit sparen und arbeitet mit anderen zusammen, wo es vorteilhaft ist. Und versucht von Anfang an Kunden zu gewinnen, deren Projekte einen stetigen Cash-Flow versprechen. Denn spätestens seit der Wirtschaftskrise gilt: Cash Flow is king.

René